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  • Marco

Siebdruck Anleitung – Die Grundlagen in 10 Schritten

Aktualisiert: 10. Aug 2020




1 WORAUF MÖCHTEST DU DRUCKEN?

Im ersten Schritt musst du zunächst entscheiden, auf welche Oberfläche du dein Motiv drucken möchtest. Für jedes Material, das bedruckt werden soll, gibt es ein optimales Siebgewebe und entsprechende Farben. Daher ist wichtig, dass du zunächst weißt, worauf genau gedruckt werden soll. Daraus ergibt sich, welches Siebgewebe für dich die beste Wahl ist.


Bespannte Siebdruckrahmen gibt es nicht nur in unterschiedlichen Größen, sondern auch mit unterschiedlichen Gewebefeinheiten. Wichtig ist, dass du für die Drucke das richtige Siebgewebe auswählst. Für die ersten Drucke auf Textilien empfehlen wir einen Rahmen mit dem Gewebetyp 54T, einem Allround-Siebdruckgewebe für verschiedene Anwendungs-bereiche. Erste Drucke auf Papier können mit einem Siebdruckrahmen mit Gewebe vom Typ 90T erfolgen. Wenn du dir die Einteilung der Gewebetypen und ihre Anwendungsbereiche genauer ansehen möchtest, schaue dir einfach unsere Tabelle oben rechts auf dieser Seite an.


2 AUSWAHL DES MOTIVS UND TAUGLICH MACHEN DER GRAFIK FÜR DEN SIEBDRUCK

Nachdem du entschieden hast welches Material du bedrucken möchtest, musst du noch das Motiv auswählen und vorbereiten, dait es für einen Siebdruck genutzt werden kann. Für die ersten Drucke empfehlen wir dringend einfarbige Motive mit Volltonfarben, also ohne Farbverläufe auszuwählen. Besonders geeignet sind dazu z. B. Schriften und einfache, vollfarbige Flächen. Farbverläufe (wie z. B. bei Fotos) und mehrfarbige Motive können im Siebdruck zwar gedruckt werden, sind aber ungleich schwieriger zu realisieren und für Einsteiger nicht empfehlenswert. Um ein einfarbiges Motiv so zu bearbeiten, dass es als Vorlage für die Belichtung genutzt werden kann, muss es als komplett schwarze Grafik vorliegen. (RGB: 00 00 00 oder CMYK: 10, 0, 0, 100). Das Motiv muss anschließend mit einem Tintenstrahl- oder Laserdrucker auf eine transparente Folie gedruckt werden.


Als Bildbearbeitungsprogramm empfehlen wir Photoshop. Dies ist aber nicht zwingend erforderlich. Kostenlose Programme zur Bearbeitung von Grafiken sind z. B. Paint.net und Inkscape (für Vektorgrafiken).

Im Grunde ist wichtig, dass die Folien mit deinem Motiv tief schwarz bedruckt werden, damit kein Licht durch das Motiv dringen kann. Nach dem Ausdrucken hälst du die Folie am besten einmal ins Licht. Du solltest nicht durch den Druck hindurchsehen können. Wenn dir ein solcher Ausdruck nicht gelingt, drucke am besten zwei Folien aus. Die-se kannst du dann bei der Belichtung übereinander legen. Fotos und Grafiken mit Farbverläufen können aber ebenfalls im Siebdruck gedruckt werden. Hier muss das Bildmaterial aber zunächst aufgerastert werden. Dieses Verfahren erklären wir später in einem fortgeschrittenen Guide.

3 SIEBDRUCKRAHMEN VOR GEBRAUCH GUT REINIGEN

Vor dem ersten Gebrauch muss der Siebdruckrahmen fettfrei (keine Fingerabdrücke) und frei von Staubpartikeln sein, damit die Fotoemulsion gut haften kann. Nach dem Auspacken des Rahmens muss dieser also erst einmal mit Entfetter gereinigt, gut abgewaschen und dann getrocknet werden.


Der Entfetter ist ungefährlich und kann dabei ganz normal über das Abwasser entsorgt werden. Du kannst das Wa-schen also auch in der Badewanne oder der Dusche vornehmen. Der Siebdruckrahmen kann dann anschließend mit einem Fön getrocknet werden. Halte dabei aber bitte ca. 10 cm Abstand zum Sieb, da dieses bei einer zu hohen Temperatur auch reißen kann. Alternativ dazu kann der Rahmen auch an der Luft oder an einer Heizung getrocknet werden.


Beschichtung eines Rahmens


4 BESCHICHTEN DES RAHMENS MIT FOTOEMULSION

Um die druckfertige Schablone im Siebdruckrahmen herstellen zu können, wird zunächst die Fotoemulsion benötigt. Diese Flüssigkeit wird mit der Beschichtungsrinne beidseitig auf den Rahmen aufgezogen.


Fotoemulsion ist lichtempfindlich! Achtung bei der Verarbeitung! Bitte nur im Dunkeln oder unter Gelblicht verarbeiten! Bevor du die Verpackung der Fotoemulsion öffnest, stelle bitte zunächst sicher, dass der Raum, in dem du arbeitest, abgedunkelt ist. Es darf kein helles Tageslicht in den Raum eindringen. Hast du keinen passenden Raum, führe den nachfolgenden Teil der Beschichtung und Belichtung bitte bei Dunkelheit aus. Nutze eine Kerze oder eine sehr schwache Kunstlichtquelle, damit du noch etwas sehen kannst.

Optimal ist hier wie z. B. auch bei der

Fotoentwicklung die Verwendung einer Gelblichtlampe, die das vorzeitige Belichten der Fotoemulsion verhindert, aber noch für ausreichend Licht sorgt, um gut sehen zu können.

Warum dies alles? Fotoemulsion ist sehr lichtempfindlich und härtet unter UV Licht aus. Diesen chemisch-/physikalischen Prozess machen wir uns für die Herstellung unserer Schablone zu Nutze. Firmen bieten häufig zwei unterschiedliche Fotoemulsionen für unterschiedliche Anwendungsbereiche an. So bekommst du z. B. Fotoemulsionen für den Druck einfacher Motive oder Fotoemulsionen, die zusätzlich lösemittelfest sind. Mit diesen Emulsionen können auch feinste Details ausbelichtet werden, um z. B. Fotos im Halbtonraster belichten zu können.

Zunächst musst du nun den Rahmen beidseitig mit Fotoemulsion beschichten. Die Beschichtungsrinne wird dazu mit der Fotoemulsion aufgefüllt. Gebe bitte so viel Fotoemulsion in die Rinne, dass diese halbhoch gefüllt ist. Mit der Fotoemulsion bestreichst du nun das Siebdruckgewebe von beiden Seiten. Dabei wird der Rahmen leicht angewinkelt gehalten. Die Lippe der Beschichtungsrinne wird nun an das Sieb gehalten, zum Gewebe hin gekippt und dann zügig am Sieb entlang nach oben gezogen, sobald die Emulsion an allen Seiten das Siebgewebe berührt.

Wichtig ist, dass die Lippe der Beschichtungsrinne immer Kontakt mit dem Siebgewebe hat. Nur so kann eine gleichmäßige Siebbeschichtung gelingen. Dabei sollte die Rinne gut gegen das Siebgewebe gedrückt werden.

Ist der Rahmen nun fertig beschichtet, muss er getrocknet werden. Dies kann z. B. mit einem Fön gemacht werden. Alternativ sollte der Rahmen zum Trocknen horizontal und dunkel gelagert werden. Wir empfehlen das schnelle Trocknen mit einem Fön, sofern kein Trockenschrank vorhanden ist. Bitte darauf achten, den Fön in einem Abstand von mindestens 10 cm zu halten. Bitte auch darauf achten, dass das Sieb nicht zu heiß wird, denn es kann reißen. Ist der Rahmen trocken (das erkennst du daran, dass die Emulsion nicht mehr glänzt und klebt (Fingerprobe)), kannst du nun mit dem Belichten beginnen. Der Spaß beginnt!

5 DAS BELICHTEN DES SIEBS MIT EINEM EIGENEN MOTIV

Die Belichtung erfolgt mittels UV Licht. Sie kann also auch mit Sonnenlicht erfolgen, die Methode ist allerdings je nach Witterung zu unberechenbar. Möchte man reproduzierbare, immer gleich gute Belichtungsergebnisse erzielen, empfehlen wir die Verwendung einer Belichtungslampe.


Zunächst positionierst du die Folie mit dem Motiv spiegelverkehrt, mittig auf der Außenseite (die Seite auf der das Gewebe verklebt ist) des getrockneten Siebs. Klebe die Folie mit einem transparenten Klebeband fest auf den Rahmen.


Schütze die Innenseite des Rahmens mit einem Stück Pappe, Zeitungspapier oder Fotokarton vor Lichteinstrahlung. Optimal ist hier eine exakt passende Spacer-Unterlage für Rahmen. Bei der Verwendung einer 400 Watt Belichtungslampe gilt eine Belichtungszeit von ca. 3:30 Minuten (Bitte die Verpackungshinweise deiner Emulsion beachten). Nutzt du dagegen das Sonnenlicht, belichte das Sieb maximal 1 Minute lang. Wichtig bei der Belichtung mit Tageslicht: Belichte am besten im Schatten und nie im direkten Sonnenlicht. Vor und nach der Belichtung solltest du den Rahmen vor weiterem Lichteinfall schützen, z. B. mit Hilfe zweier Kartons oder einem schwarzen Müllsack.


Es ist wichtig genügend Druck auf die Rakel zu geben


6 DAS ENTWICKELN DER SCHABLONE MIT WASSER

Achte bitte immer darauf, dass der frisch belichtete Rahmen keiner weiteren, intensiven Lichteinstrahlung ausgesetzt wird, bis das Motiv tatsächlich aus dem Sieb heraus-gewaschen, sprich entwickelt, ist. Ist die Belichtung erfolgt, nimm die Folie vom Sieb und benetze es beidseitig mit Wasser. Du kannst z. B. das Sieb einfach abduschen oder mit einem Wasserschlauch abwaschen. Optimal ist es, wenn du das Sieb 1 – 2 Minuten in ein Wasserbad geben kannst. Geht das nicht, halte einfach so lange den Wasserstrahl auf das Sieb, bis das Motiv vollständig ausgewaschen ist. Dies sollte nach 2 – 3 Minuten erfolgreich erledigt sein. Alternativ dazu das Sieb beidseitig gut mit Wasser benetzen, 2 Minuten stehen lassen und dann alle Emulsionsreste aus der Schablone waschen.


Entwickelt sich das Motiv auch nach mehreren Minuten gar nicht, nur schemenhaft oder unvollständig, dann ist dies immer ein Indikator für eine Überbelichtung.


1. Du hast das Sieb zu lange

einer Lichtquelle ausgesetzt


2. Du hast das Sieb einer zu starken

Lichtquelle ausgesetzt (z. B. direktes Sonnenlicht)

3. Deine Grafik war nicht ausreichend deckend auf die Folie gedruckt, so dass Licht durch die Grafik auf die Fotoemulsion treffen konnte. Wenn sich unter Einwirkung des Wassers jedoch die gesamte Fotoemulsion vom Sieb waschen lässt, ist dies immer ein Indikator für eine Unterbelichtung, oder auf die Verwendung von Chemikalien zurückzuführen, die die Haftung der Emulsion auf dem Sieb verschlechtern. Benutze aufeinander abgestimmten Produkte, um Fehlerquellen auszuschließen.


Wenn die Belichtung erfolgreich war, hast du eine fertige Schablone, mit der nun richtig gedruckt werden kann. Jetzt kann die Schablone auch wieder dem Tageslicht ausgesetzt werden. Ist deine Schablone nicht wie gewünscht entwickelt, solltest du das Sieb sofort wieder entschichten. Der Entschichter wird dabei einfach mit einem Schwamm oder einer Sprühflasche beidseitig auf das Sieb aufgetragen. Nach einigen Sekunden kannst du die Emulsion dann mit Hilfe eines Schwamms aus dem Sieb herauswaschen. Wasche nun alles gründlich mit Wasser aus, trockne das Sieb und beschichte es erneut für eine weitere Belichtung.


7 VORBEREITUNGEN FÜR DIE ERSTEN SIEBDRUCKE

Das Sieb muss zunächst trocknen. Du kannst hier mit einem fusselfreien Tuch etwas nachhelfen. Vermeide es aber mit dem Tuch durch das Motiv zu wischen, da Emulsions-rückstände im Restwasser später das Sieb verstopfen können. Das Sieb wird nach dem Trocknen an den Rändern mit Siebklebeband abgeklebt, denn durch die Ränder darf später beim Drucken keine Farbe dringen. Anschließend ist der Rahmen für den Druck einsatz-bereit. In unserem Fall bedrucken wir mit unserem Motiv ein T-Shirt. Das tolle am Siebdruck: Nach einigen Sekunden hast Du einen hochwertigen, sehr edlen und haltbaren Druck in der Hand. Auch große Stückzahlen können im Siebdruck schnell realisiert werden, wenn die Schablone erst einmal erstellt ist. So sind mehrere 100 T-Shirts im Siebdruck z. B. innerhalb von 1 – 2 Stunden bedruckt.


8 DAS DRUCKEN MIT ÖKOLOGISCHEN WASSERFARBEN

Mit der Farbe (wir empfehlen Ökotex 100 konforme Siebdruckfarben) bedrucken wir hier im Beispiel nun ein T-Shirt, indem wir den fertigen Siebdruckrahmen auf das Textil legen, Farbe auf das Sieb streichen und die Farbe mit Hilfe der Siebdruckrakel durch das Sieb streichen.


Wenn wir den Rahmen nun herunternehmen, haben wir einen sauberen Druck. Die gedruckte Farbe trocknet nun an der Luft und sollte nach dem Trocknen noch einmal auf links gebügelt werden (heißeste Stufe). Bei größeren Stückzahlen empfehlen wir die Trocknung der Drucke mit einen entsprechenden Regal, das Trockenhorde genannt wird. Außerdem ist es dann auch sinnvoll, eine professionelle Siebdruckmaschine zu verwenden, wenn du größere Stückzahlen drucken möchtest. Mit einem richtigen Drucktisch wird der gesamte Druckprozess deutlich schneller und komfortabler.


9 SIEBREINIGUNG, WERKZEUGE UND RAHMEN WERDEN GEREINIGT

Nach dem Drucken können alle Werkzeuge, wie Rakel, Siebdruckrahmen und Spatel die mit Wasserfarbe in Kontakt waren, wieder mit Wasser gereinigt werden. Insbesondere das Sieb muss gut mit Siebreiniger und Wasser abgewaschen werden. Wasserfarben haben leider nicht nur positive Eigenschaften, sondern auch einen großen Nachteil: Sie trocknen schnell im Sieb ein und müssen zügig verarbeiten werden. Es sollten daher beim Drucken mit Wasserfarben auch keine langen Pausen entstehen. Im schlimmsten Fall trocknet die Farbe im Sieb ein und kann dann nur noch schwer entfernt werden. Siebdruckfarben also bitte niemals im Sieb eintrocknen lassen.


Eine positive Ausnahme stellen hier jedoch manche Farbsysteme auf Wasserbasis dar. Diese trocknen sehr langsam im Sieb und man kann sie kinderleicht mit dem Siebreiniger wieder aus dem Sieb waschen.


10 DAS ENTSCHICHTEN EINES RAHMENS – AUS ALT MACH NEU

Wie schon in Schritt 4 beschrieben, kann ein mit Fotoemulsion beschichtetes und belichtetes Sieb auch wieder entschichtet werden, so dass es für ein neues Motiv verwendet werden kann. Dazu brauchst du nur den Entschichter beidseitig auf das Sieb aufzutragen, einige Sekunden zu warten und das Sieb dann unter Verwendung von Wasser komplett aus-zuwaschen. Nach dem erneuten Entfetten muss das Sieb dann getrocknet werden, bevor es wieder neue beschichtet werden kann. Diesen Prozess kannst du auch zu Hause ausüben.





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